Müller-Thurgau
Hauptrebsorte in Sachsen
Stand 2008: 78,78 ha = 17,62 % Ertragsrebfläche (von 447 ha)
Der Müller Thurgau (auch Rivaner genannt) wurde von Dr. Dr. h.c. Prof. Hermann Müller (1850 bis 1927) 1882 gezüchtet und ist seit 1960 in Deutschland zugelassen.

Der Pflanzenphysiologe Müller nannte sich selbst Müller-Thurgau. Sein Geburtsort Tägerwilen liegt im Kanton Thurgau. Müller-Thurgau besuchte zuerst das Lehrerseminar in Kreuzlingen am Bodensee und wurde 1869 als Lehrer an die städtische Realschule in Stein am Rhein gewählt. Er bildete sich am Polytechnikum in Zürich weiter und schloss 1872 mit dem Diplom eines Fachlehrers der Naturwissenschaften ab. Der bestbekannte Pflanzenphysiologe dieser Zeit, Julius Sachs, lud ihn zur Zusammenarbeit nach Würzburg ein und schon im Jahr 1874 promovierte Hermann Müller mit dem Prädikat "Summa cum laude". Zwei Jahre später wurde Müller-Thurgau Professor und Leiter des neu geschaffenen Institutes für Pflanzenphysiologie an der Preußischen Lehr- und Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim. 1890 erhielt Müller-Thurgau das Angebot, eine schweizerische Versuchs- und Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Wädenswil am Zürchersee zu gründen. 1892−1924 war er zusätzlich Redaktor der Schweiz. Zeitschrift für Obst- und Weinbau. Ehrungen: 1920 Dr. h.c. Universität Bern, 1890 Ehrenmitglied des Deutschen Weinbauvereins. Aus Geisenheim ließ er sich 1891 an die 150 der wertvollsten Sämlinge nachschicken aus denen später die Müller-Thurgau selektiert wurde. 1894 wurden die ersten zwei Reben des Sämlings Nr. 58 angepflanzt. Müller wurde dabei durch Heinrich Schellenberg (1868-1967) unterstützt.
Eine Neuzüchtung, die von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst- und Weinbau in Wädenswil (Zürich) vervollkommnet wurde. Als "Mutter" wurde Riesling und als "Vater" Silvaner angenommen. Deshalb auch die Synonyme Rieslings-Silvaner, Rivaner, Thorkes, Rizling-Szilváni etc. Müller lehnte es immer ab, die neue Rebe Müller-Thurgau zu nennen. Aus diesem Grunde wird die Traube in der Schweiz immer noch mehrheitlich unter Riesling x Silvaner geführt. Erst nachdem der bayrische Züchter August Dern (1858-1930) um 1913 die Rebe in Deutschland einführte, erhielt sie den Sortennamen Müller-Thurgau. Schon Hermann Müller selbst war skeptisch gegenüber der Elternschaft. Es wurden später immer mehr Zweifel an der Kombination Riesling x Silvaner laut. Die Kreuzung ließ sich nie wieder nachvollziehen. Eine Zeit lang nahm man sogar eine Selbstkreuzung Riesling x Riesling an. Dr. Ferdinand Regner, Klosterneuburger Weinbauschule in Österreich, klärte den Sachverhalt 1998 mit einer gentechnischen Untersuchung. Dabei stellte sich heraus, dass zwar Spuren von Riesling erkennbar sind, aber das Erbmaterial von Silvaner fehlte. Anstatt dessen wurde Chasselas (Gutedel) als möglicher Vater-Kandidat festgestellt. Aber Wissenschaftler der Deutschen Bundesanstalt für Züchtungsforschung im pfälzischen Siebeldingen konnten den Ahnennachweis noch verfeinern. Sie erkannten die Rebsorte Madeleine Royal als Vater. Eine Züchtung aus dem Formenkreis des Chasselas (Gutedel).
Hermann Müller-Thurgau wurde zwar von der Natur etwas überlistet. Er war aber ein Visionär und seine Arbeiten waren für Weinbau und Weinbereitung bahnbrechend. Er war auch aktiv an der Erforschung der Rebstockkrankheiten tätig und konnte dabei 1903 den Erreger der Pilzkrankheit "Roter Brenner" identifizieren. Die "Müller-Thurgau"- Rebe ist eindeutig die erfolgreichste Neuzüchtung der Welt. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sie in fast allen Weinbauländern der Erde verbreitet.
Hier einige Neuzüchtungen, entstanden aus Kreuzungen mit dem Müller-Thurgau: Bacchus, Cantaro, Faberrebe, Fontanara, Gloria, Goldriesling, Gutenborner, Kanzler, Muscabona, Optima, Ortega, Perle, Regent, Reichensteiner, Schantl-Traube, Septimer, Tamara, Thurling und Reichensteiner etc. Es sind auch Mutationen bekannt (z.B. Findling). Bei der Müller-Thurgau handelt es sich um eine mittelkräftige, ertragsreiche Sorte, die leicht 100 hl pro Hektar erreichen kann. Die Widerstandskraft gegen Falschen- und Echten- Mehltau und Botrytis ist gering.
Die Rebe liebt nährstoffreiche Böden und kühle Lagen. Die Klimaansprüche sind gering. Der Wein hat die angenehme Verbindung der Milde des Silvaners mit der duftigen Frische des Rieslings. Hinzu kommt eine feine dezente Muskatnote, die den Duft des weichen Weines bestimmt und den Geschmack vortrefflich abrundet. Aromen: grüner Apfel, Zitrone, Muskat, grüne Paprika. Er ist ein leichter Wein, der jung getrunken am besten schmeckt. Man reicht ihn zu Schweinebraten und fettreichem Flussfisch. Die Lagerfähigkeit beträgt bis 3 Jahre.
Stand 2008: 78,78 ha = 17,62 % Ertragsrebfläche (von 447 ha)
Der Müller Thurgau (auch Rivaner genannt) wurde von Dr. Dr. h.c. Prof. Hermann Müller (1850 bis 1927) 1882 gezüchtet und ist seit 1960 in Deutschland zugelassen.

Der Pflanzenphysiologe Müller nannte sich selbst Müller-Thurgau. Sein Geburtsort Tägerwilen liegt im Kanton Thurgau. Müller-Thurgau besuchte zuerst das Lehrerseminar in Kreuzlingen am Bodensee und wurde 1869 als Lehrer an die städtische Realschule in Stein am Rhein gewählt. Er bildete sich am Polytechnikum in Zürich weiter und schloss 1872 mit dem Diplom eines Fachlehrers der Naturwissenschaften ab. Der bestbekannte Pflanzenphysiologe dieser Zeit, Julius Sachs, lud ihn zur Zusammenarbeit nach Würzburg ein und schon im Jahr 1874 promovierte Hermann Müller mit dem Prädikat "Summa cum laude". Zwei Jahre später wurde Müller-Thurgau Professor und Leiter des neu geschaffenen Institutes für Pflanzenphysiologie an der Preußischen Lehr- und Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim. 1890 erhielt Müller-Thurgau das Angebot, eine schweizerische Versuchs- und Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Wädenswil am Zürchersee zu gründen. 1892−1924 war er zusätzlich Redaktor der Schweiz. Zeitschrift für Obst- und Weinbau. Ehrungen: 1920 Dr. h.c. Universität Bern, 1890 Ehrenmitglied des Deutschen Weinbauvereins. Aus Geisenheim ließ er sich 1891 an die 150 der wertvollsten Sämlinge nachschicken aus denen später die Müller-Thurgau selektiert wurde. 1894 wurden die ersten zwei Reben des Sämlings Nr. 58 angepflanzt. Müller wurde dabei durch Heinrich Schellenberg (1868-1967) unterstützt.
Eine Neuzüchtung, die von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst- und Weinbau in Wädenswil (Zürich) vervollkommnet wurde. Als "Mutter" wurde Riesling und als "Vater" Silvaner angenommen. Deshalb auch die Synonyme Rieslings-Silvaner, Rivaner, Thorkes, Rizling-Szilváni etc. Müller lehnte es immer ab, die neue Rebe Müller-Thurgau zu nennen. Aus diesem Grunde wird die Traube in der Schweiz immer noch mehrheitlich unter Riesling x Silvaner geführt. Erst nachdem der bayrische Züchter August Dern (1858-1930) um 1913 die Rebe in Deutschland einführte, erhielt sie den Sortennamen Müller-Thurgau. Schon Hermann Müller selbst war skeptisch gegenüber der Elternschaft. Es wurden später immer mehr Zweifel an der Kombination Riesling x Silvaner laut. Die Kreuzung ließ sich nie wieder nachvollziehen. Eine Zeit lang nahm man sogar eine Selbstkreuzung Riesling x Riesling an. Dr. Ferdinand Regner, Klosterneuburger Weinbauschule in Österreich, klärte den Sachverhalt 1998 mit einer gentechnischen Untersuchung. Dabei stellte sich heraus, dass zwar Spuren von Riesling erkennbar sind, aber das Erbmaterial von Silvaner fehlte. Anstatt dessen wurde Chasselas (Gutedel) als möglicher Vater-Kandidat festgestellt. Aber Wissenschaftler der Deutschen Bundesanstalt für Züchtungsforschung im pfälzischen Siebeldingen konnten den Ahnennachweis noch verfeinern. Sie erkannten die Rebsorte Madeleine Royal als Vater. Eine Züchtung aus dem Formenkreis des Chasselas (Gutedel).
Hermann Müller-Thurgau wurde zwar von der Natur etwas überlistet. Er war aber ein Visionär und seine Arbeiten waren für Weinbau und Weinbereitung bahnbrechend. Er war auch aktiv an der Erforschung der Rebstockkrankheiten tätig und konnte dabei 1903 den Erreger der Pilzkrankheit "Roter Brenner" identifizieren. Die "Müller-Thurgau"- Rebe ist eindeutig die erfolgreichste Neuzüchtung der Welt. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sie in fast allen Weinbauländern der Erde verbreitet.
Hier einige Neuzüchtungen, entstanden aus Kreuzungen mit dem Müller-Thurgau: Bacchus, Cantaro, Faberrebe, Fontanara, Gloria, Goldriesling, Gutenborner, Kanzler, Muscabona, Optima, Ortega, Perle, Regent, Reichensteiner, Schantl-Traube, Septimer, Tamara, Thurling und Reichensteiner etc. Es sind auch Mutationen bekannt (z.B. Findling). Bei der Müller-Thurgau handelt es sich um eine mittelkräftige, ertragsreiche Sorte, die leicht 100 hl pro Hektar erreichen kann. Die Widerstandskraft gegen Falschen- und Echten- Mehltau und Botrytis ist gering.
Die Rebe liebt nährstoffreiche Böden und kühle Lagen. Die Klimaansprüche sind gering. Der Wein hat die angenehme Verbindung der Milde des Silvaners mit der duftigen Frische des Rieslings. Hinzu kommt eine feine dezente Muskatnote, die den Duft des weichen Weines bestimmt und den Geschmack vortrefflich abrundet. Aromen: grüner Apfel, Zitrone, Muskat, grüne Paprika. Er ist ein leichter Wein, der jung getrunken am besten schmeckt. Man reicht ihn zu Schweinebraten und fettreichem Flussfisch. Die Lagerfähigkeit beträgt bis 3 Jahre.
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